Vorzüge von Diversity Management am Arbeitsplatz

by Daniel Hannig - Juli 22, 2019

„Für uns sind zwei Faktoren wichtig: Vielfältige Menschen, und eine Arbeitsumgebung, in der sie ihre Talente einbringen können“ – Elke Heitmüller

Immer öfter liest man, dass Unternehmen mit einer „offenen und internationalen Arbeitsumgebung“ werben, oder in ihren Stellenausschreibungen „interkulturelles Feingefühl“ von potentiellen Bewerbern und Bewerberinnen verlangen. Diese Tatsache verdeutlicht, dass heutige Fach- und Führungskräfte sich immer häufiger mit diesem Thema beschäftigen. Manche sehen es als Grundvoraussetzung an, um in einem Unternehmen tätig werden zu können. Aber was genau bedeutet Diversität in einem Unternehmen und wie kann man sie als Instrument nutzen, um Mitarbeiterengagement zu fördern?

„Die Schaffung und Verwaltung einer vielfältigen Belegschaft ist ein Prozess, und kein Ziel.“ – R. Roosevelt Thomas

Diversität bedeutet im Grunde genommen nichts anderes als „Verschiedenheit“ oder „Vielfältigkeit“. Diese Vielfalt lässt sich unter anderem auf die wirtschaftliche, kulturelle und soziale Vielfalt in menschlichen Gesellschaften beziehen. Diversitätsbegründende Kriterien sind beispielsweise ethnische und kulturelle Herkunft, Geschlecht, Gesundheit/Behinderung oder sexuelle Orientierung. Insbesondere auf die Wirtschaft bezogen, bezeichnet „Diversity Management“ eine Personalpolitik, die auf Erfolgssteigerung über bewusst divers zusammengestellte Teams setzt.

Aber was sind die konkreten Vorteile für das Unternehmen und die Mitarbeiter?

Die Offenheit und Neugierde, die das Unternehmen durch eine solch inklusive Personalpolitik vorlebt, kann die Mitarbeiter dazu bewegen, sich ebenfalls persönlich weiterzuentwickeln. Zudem lässt sich belegen, dass Mitarbeiter aus Unternehmen mit erfolgreichem Diversity Management grundsätzlich zufriedener sind, was sich meist auf ein Gefühl der Zugehörigkeit und gesteigerten Identifikation mit dem Unternehmen zurückführen lässt.

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Wie wird Diversity Management in einem Unternehmen umgesetzt?

Was von vorneherein klar gesagt werden muss; Ein „Universalkonzept“ für Diversity Management zu suchen ist unrealistisch, denn es gibt keine genaue Anwendungsanleitung oder Checkliste, die nach strikter Befolgung positive Leistungsergebnisse verspricht. Der Gedanke, dass es einen einzigen, perfekten Weg zum Umgang mit Diversität am Arbeitsplatz geben könnte, wäre sogar ein Widerspruch in sich.

„Viele Wege führen oft zum gleichen Schloss“ – George R.R. Martin

Sowie jede Einzelperson, sind auch alle Unternehmen von der Mentalität und Kultur unterschiedlich und benötigen daher ihr eigenes, an das Unternehmen angepasste, Diversity Management. Schaut man sich jedoch die erfolgreiche Umsetzung von einigen Unternehmen an, erkennt man gewisse sich wiederholende Maßnahmen, die Orientierung bieten:

1. Recruiting

Bei der Personaleinstellung sollte man zunächst darauf achten, dass das Auswahlverfahren ohne jegliche Voreingenommenheit ausgeführt wird und dies auch nach außen hin erkennbar ist. Schon in der Stellenausschreibung lässt sich das bei der Angabe des Geschlechts (m/w/d oder m/w/x) realisieren. Weitere Optionen bestehen in dem Verzicht auf Bewerbungsfotos oder das Weglassen des Vornamens im Bewerbungsschreiben. Viele Firmen erläutern auch ausdrücklich in der Ausschreibung, dass Bewerbungen von Menschen mit Behinderung bei gleicher Eignung bevorzugt werden. Oft lässt
sich Diversität bei der Personalbeschaffung auch an den Charakter des Unternehmens anpassen. Beispielsweise ist ein Drittel der Mitarbeiter von Adidas in Deutschland nicht Deutsch. Adidas Vorstand und HR Chefin Karen Parkin erläutert dazu, dass die Firmenkultur von Adidas somit authentisch und international bleibt und dass man auch aus lokaler Sicht die Vielfalt der verschiedenen Kulturen fördern wolle.

2. Awareness Raising

Events oder Workshops sind gute Instrumente, um auf das Thema Diversität aufmerksam zu machen oder prinzipiell über die Vorzüge dessen am Arbeitsplatz aufzuklären. Als weitere Option käme auch die Einsetzung eines Diversitätsbeauftragten in Betracht. Volkswagen veranstaltet beispielsweise seit 2017 Diversity Konferenzen, wo es hauptsächlich um den Austausch von Experten in diesem Bereich geht. Zusätzlich fördert das Unternehmen mit ihrer internen „Together-Strategie 2025“ unternehmensweite Chancengleichheit. Audi hat seit 2011 mehr als 1200 Workshops zum Thema Kommunikation, Vertrauen und Respekt gehalten und Anfang 2017 im Personalwesen eine eigene Einheit für Diversity Management geschaffen.

3. Empowerment

Bei Unternehmen oder Berufsbildern, die von einem Geschlecht dominiert werden, hilft es ebenfalls in der Stellenausschreibung zu verdeutlichen, dass für die spezifische Position Bewerbungen von Frauen bzw. Männern bevorzugt werden. Intern wäre beispielsweise das Erstellen eines Netzwerks eine effektive Maßnahme. Deloitte bietet beispielsweise durch ihre interne Networking Plattform „WIN“ weiblichen Potentialträgerinnen die Gelegenheit, sich über Abteilungen und Hierarchieebenen hinweg auszutauschen, zu engagieren und zu partizipieren.

4. Farbe bekennen

Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund der sexuellen Orientierung ist weiterhin ein großes Thema. Abgesehen von der moralischen Verwerflichkeit, führt sie bei den betroffenen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu mehr Stress und somit auch zu schlechteren Leistungen im Beruf. Geeignete Maßnahmen der Diskriminierungsverhinderung sind, neben eines ausdrücklichen Verbots in den Firmenrichtlinien, beispielsweise Mechanismen die deutlich machen, dass Diskriminierung nicht toleriert wird. Zudem zeigt man als Unternehmen auch Offenheit, indem man Organisationen unterstützt oder beitritt, die das Thema adressieren und darüber aufklären. Audi ist beispielsweise letztes Jahr, als erster Automobilhersteller, der Stiftung „Prout at Work“ beigetreten. Diese fördert Chancengleichheit von LGBT-Mitarbeitenden am Arbeitsplatz und klärt zugleich über das Thema auf. Als konkrete Maßnahme ist bei Audi das Mitarbeiter-Netzwerk queer@audi entstanden.

Während man diese Diversifizierung zwar als Prozess der Erfolgsoptimierung für ein Unternehmen bewerten kann, ist sie im Endeffekt aber auch nichts anderes als eine Notwendigkeit für moderne Unternehmen, eine Methode der Anpassung an das heutige Zeitalter.

Im Rahmen der Digitalisierung und Globalisierung wird Diversity Management aufgrund der zunehmenden Vielfalt in Gesellschaften immer wichtiger, da die Teams von heute sich zunehmend aus Menschen verschiedener ethnischer oder kultureller Herkunft zusammensetzen und dieser Trend sich weiterhin in diese Richtung fortsetzt. Vielfalt ist eine wichtige und strategische Stärke, mit der man ein Unternehmen aufbauen und zum Erfolg führen kann. Andererseits kann das Ignorieren dieses Trends auch zu Fehlschlägen führen. Viele Misserfolge von Unternehmen lassen sich in jüngster Zeit auf unsensibles Marketing zurückführen. Es geht also auch darum, sich als Unternehmen auf die rasanten Veränderungen einzustellen, die aktuell auf den Märkten passieren. Elke Heitmüller, Leiterin der Abteilung Diversity bei Volkswagen, erklärt es auf den Punkt gebracht: “Wer keine vielfältigen Märkte und Zielgruppen bedienen kann, wer keine neuen Talente an Bord holt und die Talente im Unternehmen nicht fördert, der hat schlechte Karten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten.“

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