8 Anzeichen dafür, dass Ihr Chef ein Mikromanager ist

by Thiago Leite - März 11, 2019

Haben Sie die Befürchtung, dass Sie bei der Arbeit „gemikromanaged“ werden? Damit sind Sie nicht allein. In seinem Buch My Way or the Highway teilt der Leadership-Guru und Inhaber des Beratungsunternehmens Trinity Solutions Harry Chambers Details aus der Umfrage seines Unternehmens mit, die zeigen, dass 79 % der Befragten Mikromanagement während ihrer bisherigen Karriere erlebt hatten.

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Mikromanagement ist zwar üblich, aber das bedeutet nicht, dass es akzeptiert werden sollte. Mikromanagement möchte einen starken Führungsstil vermitteln, ist aber in Wahrheit ein Symptom für schwache Führung. Wundern Sie sich nicht, wenn der besagte Manager relativ neu in den Reihen des Managements ist. Wenn Vorgesetzte sich ihrer selbst und ihres Teams nicht sicher sind, versuchen sie oft, jeden einzelnen Arbeitsschritt und die Arbeitsergebnisse so engmaschig wie möglich zu kontrollieren – von vertrauensvoller Delegierung der Arbeit keine Spur. Sie glauben, dass sie jedes Detail kennen müssen, um ihr Endprodukt zu perfektionieren. Leider zeigt die Studie von Trinity Solutions außerdem, dass 70 % der Menschen, die von Mikromanagement berichten, darüber nachdenken, deswegen ihren Job zu kündigen. Fast ein Drittel der Befragten aus der Studie hat es tatsächlich getan.

Obwohl bei der Arbeit mit einem gewissen Maß an Stress zu rechnen ist, multipliziert das Mikromanagement ein normales Stressniveau mit jeder Handlung, die ein Mitarbeiter unternimmt. Anstatt sich um eine Deadline oder ein gutes Arbeitsergebnis zu kümmern, muss ein Mitarbeiter nun jede Entscheidung, die er im Laufe eines Tages trifft, auf einen besonderen Prüfstand stellen, da sie mit regelmäßiger Gründlichkeit vom Vorgesetzten hinterfragt wird. Es entsteht Unbehagen und Angst. Diese Art von Angst baut sich schnell auf und kann mitunter schwerwiegende körperliche Folgen, wie Herzprobleme oder sogar Schlimmeres, mit sich bringen. Der Grad der Konzentration, der notwendig ist, um sicherzustellen, dass Ihre Arbeit nicht nur Ihren eigenen Erwartungen entspricht, sondern auch einem unbekannten Ideal Ihres Vorgesetzten, ist unglaublich anstrengend. Risikobereitschaft und Innovation sind unter der Aufsicht eines verurteilenden Chefs unmöglich.

Es ist wahrscheinlich, dass Sie in Ihrer Karriere bereits Mikromanagement erlebt haben. Wir mythologisieren Mikromanager oft als visionäre Perfektionisten, deren Anleitung bis ins kleinste Detail befolgt werden muss, um eine einzigartige Idee zum Leben zu erwecken. Steve Jobs‘ zwanghafter Perfektionismus war berühmt (oder berüchtigt). In seiner Biographie schrieb Walter Isaacson davon, wie Jobs im Krankenhaus, dem Ende seines Lebens nahe, seine Sauerstoffmaske wegriss, weil sie unansehnlich war. „[Er] murmelte, dass er das Design hasste und weigerte sich, sie zu tragen. Obwohl er kaum sprechen konnte, befahl er ihnen, fünf verschiedene Masken zur Auswahl mitzubringen, und er wählte ein Design, das ihm gefiel.“ Oft wird in der Geschäftswelt die Vorstellung vermittelt, dass es etwas Edles an ist, Perfektion zu verlangen. Somit ist es durchaus schwierig zu beurteilen, ob die Aufmerksamkeit des Chefs eine inspirierende oder toxische Wirkung hat.

Die Erfüllung eines jeden Wunsches eines Vorgesetzten kann so sehr in den Fokus rücken, dass Sie Mikromanagement nicht erkennen, wenn es tatsächlich stattfindet. Es könnte so aussehen, als wäre es nur ein Teil des Jobs, oder als würde Ihr Chef Ihre Fähigkeiten testen. Wenn Sie sich in einer Juniorposition befinden, könnten Sie das Mikromanagement sogar mit Mentoring verwechseln. In Teil 1 unserer zweiteiligen Serie zum Themenschwerpunkt Mikromanagement helfen wir Ihnen, die Anzeichen zu identifizieren, wenn Ihr Chef in seinem Führungsstil Grenzen überschreitet.

Nicht alles, was nach Mikromanagement aussieht, ist es auch

Es gilt jedoch immer mit Bedacht an die Sache heranzugehen, und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen: Vielleicht handelt es sich überhaupt nicht um Mikromanagement, wenngleich es sich danach anfühlt.

Es kann Zeiten geben, in denen Sie sich von einem überheblichen Manager erschlagen fühlen. Das bedeutet nicht unbedingt, dass hier Mikromanagement im Spiel ist. Beispielsweise können Sie nach der Arbeit oder am Wochenende E-Mails oder Nachrichten von Ihrem Chef erhalten. Niemand mag es, eine arbeitsbezogene Nachricht auf seinem Handy zu erhalten, während er seine Freizeit genießt. Es kann sich anfühlen, als ob von Ihnen erwartet wird, dass Sie sofort reagieren. Aber das ist vielleicht nicht der Fall. Wenn Ihr Chef ein Arbeitstier ist, hält er möglicherweise nicht die gleichen Arbeitszeiten wie Sie ein. Vielleicht halten ihn andere Verpflichtungen davon ab, das Thema während der normalen Arbeitszeit zu bearbeiten. Er erwartet vielleicht keine prompte Antwort, wollte aber etwas senden, während es noch frisch in seiner Überlegung war. Besprechen Sie das Thema mit Ihrem Chef, um zu klären, was seine Erwartungen in solch einem Fall an Sie sind: Sollen sie sofort reagieren oder können Sie bis zur üblichen Arbeitszeit warten? Im Gegenzug können Sie Ihre eigene Regel festlegen, wann Ihr Chef eine Antwort von Ihnen erwarten kann und wann nicht.

„Sag den Leuten nie, wie sie Dinge tun sollen. Sag ihnen, was sie tun sollen, und sie werden dich mit ihrem Einfallsreichtum überraschen.“– George S. Patton

Häufige Anzeichen dafür, dass Ihr Chef Mikromanagment betreibt:

  1. Er vermeidet das Delegieren.

    Da Mikromanager nicht glauben, dass jemand anderer einen guten Job macht, gibt es für ihn nur eine Lösung: alles selbst zu machen. Obwohl ein Mikromanager dabei vielleicht auf den ersten Blick die gewünschten Ergebnisse erzielt, kann er dies unmöglich dauerhaft durchhalten. Irgendwann wird auch er feststellen, dass ein Tag nur 24 Stunden hat. Ohne Aufgaben an andere mit fachspezifischen Kompetenzen zu übertragen, werden diese Vorgesetzten zwangsläufig Arbeiten übernehmen, für die sie nicht ausreichend qualifiziert sind. Ein weiteres Indiz für einen Mikromanager ist der Irrglaube, dass es schneller ist, Ihre Arbeit eigenständig zu überarbeiten, als Ihnen Feedback darüber zu geben, was verbessert werden könnte.
  2. Sie erstellen ständig Berichte.

    Sogar der CEO eines Unternehmens muss einem Vorstand Bericht erstatten, aber die Arbeit für einen Mikromanager kann es so aussehen lassen, als hätte die Berichterstattung erste Priorität. Da Mikromanager der Arbeit und dem Engagement ihrer Mitarbeiter nicht genug vertrauen können, um sie eigenständig arbeiten zu lassen, bittet Sie ein Chef dieser Art ständig um Updates. Das Problem mit ständigen Berichten ist, dass sie keinen Fortschritt vorweisen können, wenn der einzige Fortschritt, den Sie gemacht haben, aus Ihrer neuesten wiederholten Tabellenkalkulation besteht.
  3. Sie dürfen keine eigenständigen Entscheidungen treffen.

    Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie um Erlaubnis bitten müssen, von Ihrem Bürostuhl aufzustehen, arbeiten Sie vermutlich für einen Mikromanager. Zugegeben, das war überspitzt formuliert, trifft jedoch den Kern der Sache: Während das Produkt Ihrer Arbeit sicherlich einen Freigabeprozess durchlaufen muss, sollten Sie in der Lage sein, Entscheidungen darüber zu treffen, wie Sie zu dem Endergebnis kommen. Sie wurden eingestellt, weil Sie die für Ihre Funktion am besten qualifizierte Person waren, d. h. Sie sollten Ihr Fachwissen ungehindert in Ihre Arbeit einbringen dürfen. Wenn selbst die kleinsten Aufgaben eine Genehmigung Ihres Vorgesetzten erfordern, ist dies sicherlich ein Warnsignal.
  4. Er beschwert sich ständig.

    Wenn nur nach Fehlern gesucht wird, dann werden auch nur Fehler gefunden. Ein Chef, der seinen Mitarbeitern nicht vertraut, wird immer nach Beweisen suchen, die seine Paranoia bestätigen. Und Mikromanager werden diese Unzulänglichkeiten finden, auch wenn es sich lediglich um einen Tippfehler in einer Kalendererinnerung handelt, die Sie nur an sich selbst geschickt haben. Diese Art von Managern kann Fehler in allem finden, egal wie unwichtig die Sache ist. Alles Drängen auf eine Exzellenz, die ausschließlich eine Alibifunktion innehat, nützt dabei nichts: Mikromanagement schwächt die Motivation der Mitarbeiter.
  5. Er gibt seine Fähigkeiten und Wissen nicht weiter.

    Es ist inspirierend, für einen Chef zu arbeiten, von dem man lernen kann. Vorgesetzte können im Idealfall Vorbild für Berufseinsteiger sein. Für Sie als beispielsweise neuen Mitarbeiter kann es eine ziemliche Enttäuschung sein, herauszufinden, dass Ihr Chef wenig Interesse daran hat, Sie zu betreuen. Für Mikromanager ist Wissen eine Währung, die, einmal geteilt, den eigenen Wert empfindlich schmälern. Sie werden wahrscheinlich den Widerwillen, Wissen mit Ihnen zu teilen, nie explizit erwähnen, sondern stets sagen, dass sie z. B. viel zu beschäftigt sind. Wenn Ihr Vorgesetzter Ihren Anfragen nach Führung oder Mentoring nie nachkommt, vermeidet er möglicherweise den kritischen Kompetenzaustausch, den Sie in Ihrer Funktion aufbauen müssen.
  6. Er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.

    Ein guter Manager weiß, dass Aufwand eine wertvolle, endliche Ressource ist, auf die geachtet werden muss. Ein Mikromanager verliert oft das Gesamtbild – das Verhältnis von Aufwand und Ergebnis – aus den Augen, um sich auf kleine Details zu konzentrieren. Anstatt beispielsweise eine bestehende Broschüre mit wenigen Änderungen zu aktualisieren, kann ein Mikromanager verlangen, dass eine ganz neue Broschüre erstellt wird. Diese Entscheidung könnte dann eventuell einen wichtigen Termin gefährden – und das nur, um die Launen einer Person in einer einflussreichen Position zu befriedigen.
  7. Ihr Feedback stößt auf taube Ohren.

    Während eine normale Beziehung zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter einen Feedback-Fluss in beide Richtungen aufweisen sollte, ist ein Mikromanager eher an einem einseitigen Gespräch interessiert. Weil er sich selbst unter enormen Druck gesetzt hat, reagiert er reizbarer und explosiver gegenüber Kritik. Er könnte auf Ihre Kritik mit zum Beispiel: „Nun, hier läuft das eben so!“, antworten. Mikromanager sind nicht daran interessiert, was sie tun können, um sich zu verbessern – sie suchen nur nach Fehlern und der Schwäche von anderen.
  8. Projekte ziehen sich ewig hin.

    Da Ihr Chef der Einzige zu sein scheint, der in der Lage ist, irgendwelche Entscheidungen zu treffen, irgendeine Arbeit zu erledigen oder auch zu bestimmen, welche Aufgaben erledigt werden, richtet sich der gesamte Zeitplan und das Tempo nach ihm. Mikromanager blockieren auf diese Art den Projektfortschritt, da jeder Beteiligte auf seine Freigaben wartet. Der Review-Prozess kann auch weit über das geplante Zeitfenster hinausgehen, wenn der Mikromanager erst einmal beginnt, Feedback zu geben, seine Meinung ändert und schließlich doch wieder auf seine erste Meinung zurückgreift.

Klingt das nach jemandem, mit dem Sie zusammenarbeiten? Wenn die von uns hier skizzierten Indikatoren zutreffen, arbeiten Sie wahrscheinlich für einen Mikromanager. Es gibt jedoch proaktive Ansätze, die Ihnen helfen, für Ihre Arbeit einen Korridor einzurichten, mit dem Sie sich erfolgreich gegen Mikromanagement schützen können. Nächste Woche werden wir uns in Teil 2 des Themenschwerpunkts Mikromanagement damit befassen, wie Sie sich im Umgang mit einem Mikromanager verhalten sollten.

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