Sicherheit geht vor: Wie Sie eine effektive Sicherheitskultur etablieren

by Camilla Bloos - April 5, 2019

Egal, wo Sie arbeiten – ob auf einer Baustelle, in der Gastronomie oder im Büro – die Sicherheit sollte für die Personalabteilung und das Management oberste Priorität haben. Sicherheit ist in einem Büro ebenso wichtig wie auf der Baustelle und Versäumnisse können hier wie dort für die Arbeitnehmer und auch Unbeteiligte sehr gefährlich werden – und äußerst kostspielig sein. In den Vereinigten Staaten zeigt eine Studie des National Safety Council, dass alle sieben Sekunden ein Beschäftigter am Arbeitsplatz verletzt wird, was insgesamt fast fünf Millionen vermeidbarer Verletzungen pro Jahr entspricht.

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Obwohl diese Anzahl an Verletzungen immer noch sehr hoch ist, entspricht sie in den USA immer noch der erstaunlichen Verbesserung von fünfzig Prozent! In Großbritannien enthalten die Top Ten der gemeldeten Arbeitsunfälle nicht nur Vorfälle, die mit manueller Arbeit in Verbindung gebracht werden könnten, sondern auch Ausrutscher und Stürze, Verletzungen, die aus wiederholten Belastungen resultieren, und sogar Läsionen durch das Hineinlaufen in stehende Objekte – alles Unfälle, die sich leicht in Arbeitsalltag ereignen könnten.

„Es erfordert Leadership, um die Sicherheit zu verbessern.“ Jackie Stewart

Abhängig von der Größe und Organisationsstruktur Ihres Unternehmens ist es wahrscheinlich, dass Ihrer Personalabteilung die verantwortungsvolle Aufgabe der Entwicklung von Strategien zur Vermeidung von Verletzungen am Arbeitsplatz zufällt. Personalverantwortliche müssen die Recherche, Planung und Umsetzung von Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen übernehmen, um ein sicheres Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter zu gewährleisten.

Es ist jedoch oft so, dass die wenigsten glauben, ein Gesundheits- und Sicherheitstraining zu benötigen. Die Menschen sind im Allgemeinen davon überzeugt, dass ihr gesunder Menschenverstand sie vor Unfällen schützt – aber die vorhin genannten Statistiken deuten ganz klar auf etwas anderes hin. Um die Sicherheit am Arbeitsplatz zu verbessern, ist die Erkenntnis notwendig, dass die Menschen möglicherweise nicht empfänglich für Sicherheitsinitiativen sind, die einen Großteil ihrer Zeit in Anspruch nehmen.

Eine effektive Möglichkeit, um zu vermitteln, dass Sicherheit einen Grundwert Ihres Unternehmens darstellt, ist die Erstellung einer Richtlinie und einer Broschüre zur Arbeitssicherheit. Die Kernmerkmale Ihrer Richtlinie sollten in alle Aspekte Ihrer Arbeitsabläufe und -kultur einbezogen werden. Denken Sie daran, dass eine umfassende und zielführende Kommunikation der Sicherheitsrichtlinie entscheidend für den Erfolg dieses existenziellen Vorhabens ist. Viele Verletzungen entstehen durch scheinbar harmlose Tätigkeiten oder Umstände wie die Verwendung einer Leiter durch einen unbefugten Mitarbeiter, schlechte Raumpflege und sogar defekte Verlängerungskabel.

Durch die Umsetzung der Sicherheitsrichtlinien und durch Schulungen der Mitarbeiter darüber, was es bei den neuen Sicherheitsregeln zu beachten gilt, können Personalverantwortliche eher davon ausgehen, dass die Mitarbeiter zweimal nachdenken, bevor sie ihre eigene Sicherheit und die anderer gefährden. Die Verbesserung der Sicherheit lässt die Mitarbeiter wissen, dass dem Management ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden wichtig ist, hält Ihr Unternehmen in Übereinstimmung mit strengen staatlichen Richtlinien und kommt Ihrem Betrieb dahingehend zugute, dass sie Ausgaben für Krankheitstage und eventuelle Haftungszahlungen bei Verletzungen auf ein Minimum reduziert.

Es ist wichtig zu beachten, dass Sicherheit nicht nur mit körperlicher Gesundheit zusammenhängt, sondern auch die psychische Wohlerhaltung der Mitarbeiter einschließt. Psychische Gesundheit und Wohlbefinden sind wichtige Themen für Arbeitnehmer und die Einbeziehung dieser Aspekte in die Gesunderhaltungs- und Sicherheitspolitik Ihres Unternehmens kann ein effektiver Weg sein, um ihr Engagement nachhaltig zu festigen und auszubauen. Leitsätze zur Förderung der psychischen Gesundheit könnten die Sensibilität hinsichtlich der Warnzeichen für psychischen Stress und Überlastung erhöhen sowie eine Plattform für eine offene Kommunikation über diese Gefahren für die Arbeitssicherheit einbeziehen.

Wie man eine wirksame Sicherheitsrichtlinie entwirft.


Bevor Sie mit der Ausarbeitung Ihrer neuen Sicherheitspolitik beginnen, führen Sie die notwendigen Recherchen durch, um sicherzustellen, dass sie den aktuellen gesetzlichen Richtlinien und Vorschriften entspricht. Bei entsprechendem Budget, gibt es die Möglichkeit einen externen Spezialisten anzufragen und sich nach den Kosten für ein professionelles Beratungs- und Trainingsprogramm zu erkundigen.

Abschnitt 1 Ihrer neuen Richtlinie sollte eine allgemeine Absichtserklärung enthalten, die die Philosophie Ihres Unternehmens in Bezug auf Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz generell beschreibt und dezidierte Erwartungen an das Management und die Mitarbeiter enthält.

Abschnitt 2 sollte die Organisations- und Kommunikationsstruktur in Bezug auf das Gesundheits- und Sicherheitsmanagement skizzieren und feststellen, wer wofür verantwortlich ist. Wie wird die Umsetzung der Sicherheitsprotokolle gehandhabt? Wer kümmert sich um die Backups für alle genannten Sicherheitsbeauftragten? Und wer ist dafür verantwortlich, dass die Umsetzungs- und Schulungspläne eingehalten werden? Diese und viele weitere Fragen müssen für die Etablierung einer integrierten Arbeits- und Gesundheitspolitik im Unternehmen geklärt werden.

Abschnitt 3 sollte der Hauptteil der Richtlinie sein und detaillierte Erläuterungen zu den einschlägigen Themen enthalten, einschließlich Umweltprotokollen, Listen mit giftigen Materialien, die in den Räumlichkeiten verboten sind (es sei denn, sie werden von kompetenten Fachleuten gehandhabt), alle Pflichten von Sicherheitsbeauftragten, Notfallverfahren und Vorkehrungen für die Durchführung von Brandschutzübungen.

Abschnitt 4 sollte das Berichtswesen bilden, in dem z. B. Wartungsunterlagen geführt und Unfälle oder Notfälle, die sich auf dem Firmengelände ereignen, dokumentiert werden.

Doch die Arbeitssicherheit geschieht nicht einfach durch die formale Implementierung einer neuen Leitlinie. Die Umsetzung einer effektiven Sicherheitsrichtlinie liegt in der Verantwortung aller Führungskräfte und Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz und dessen Umfeld.

Wie können sich Mitarbeiter für sichere Arbeitspraktiken einsetzen?

Langjährige Mitarbeiter sollten stets ein sicheres Verhalten vorleben und neuen Kollegen signalisieren, dass das Thema Sicherheit nicht vernachlässigt werden darf. Neue Mitarbeiter könnten die Sicherheitsvorkehrungen nicht ernst nehmen, weil die Folgen von gefährlichem Verhalten noch nicht zu ihren Erfahrungen gehören. Sie könnten außerdem befürchten, dass sie für die Ablehnung von Arbeiten, die ihre Sicherheit gefährden, nachteilig behandelt werden.

Wenden Sie sich an Ihre einflussreichsten Mitarbeiter und bitten sie darum mitzuhelfen, die Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitspolitik fest im Corporate Behavior Ihres Unternehmens zu verankern und so zu einer positiven und gesunden Kultur beizutragen. Sobald Sie die Botschafter innerhalb Ihres Unternehmens identifiziert haben, finden Sie hier einige Tipps und Aufforderungen, um eine Sicherheitskultur zu fördern:

  • Lesen Sie die Gesundheits- und Sicherheitsrichtlinien Ihres Unternehmens – und zwar ganz bewusst. Es klingt banal, aber wenn Sie die Person, die neben Ihnen sitzt, fragen würden, wo sich der nächste Notausgang befindet, besteht durchaus die Möglichkeit, dass sie Ihnen die Antwort nicht geben kann. Die Richtlinie wurde erstellt, um Klarheit zu schaffen und potenziellen Notfallszenarien erfolgreich zu begegnen oder sie – noch besser – gleich im Vorfeld zu verhindern.
  • Erzählen Sie Ihren Mitarbeitern, was Sie erlebt und daraus gelernt haben. Mitarbeiter erinnern sich eher an kritische Sicherheitsinformationen, die sie authentisch von einem Kollegen statt im Rahmen einer Schulung am ersten Tag erhalten. Man weiß nie: „Hey, weißt du, dass es einen AED an der Eingangstür gibt?“ könnte unter Umständen das Leben von jemandem retten.
  • Tragen Sie immer eine Sicherheitsausrüstung, falls dies erforderlich sein sollte. Während jeder weiß, dass er eine Sicherheitsausrüstung tragen sollte, ist es leicht, Sicherheitsbedenken aus Gründen der Bequemlichkeit oder schnellerer Reaktionsfähigkeit zu vernachlässigen. Gehen Sie kein Risiko ein und denken Sie daran, dass Ihre Sicherheit immer vorgeht!
  • Wenn Sie etwas sehen, sagen Sie etwas. Wenn Sie eine potenzielle Gefahr bemerken wie beispielsweise freiliegende Kabel oder Wasserschäden, benachrichtigen Sie sofort Ihren Vorgesetzten oder Sicherheitsbeauftragten. Je früher die Gefahrenquellen beseitigt werden, desto einfacher ist es, Verletzungen zu vermeiden.
  • Kennen Sie Ihre Rechte und Pflichten. Das Gesetz definiert Szenarien, in denen Sie das Recht haben, die Ausübung der Arbeit zu verweigern oder unsichere Arbeitsbedingungen abzulehnen. Sie haben als Arbeitnehmer die Rechtssicherheit, die Sie benötigen, wenn es darum geht, dass Sie gefährdende Arbeitsbedingungen nicht befolgen müssen.

Wie das Management bessere Sicherheitsstandards institutionalisieren kann.

Letztendlich ist das Management dafür verantwortlich, einen sicheren und gesunden Arbeitsplatz zu gewährleisten. Das Management bestimmt nicht nur die Richtlinien und Verfahren zum Thema Sicherheit, sondern auch den Platz, den es in der Unternehmenskultur einnimmt. Während ein Schrank voller staubiger Sicherheitsausrüstung die gesetzlichen Anforderungen erfüllen mag, muss die Geschäftsleitung auch sicherstellen, dass er in Betrieb genommen wird. Junge und unerfahrene Mitarbeiter brauchen Vorbilder, die ihnen zeigen, dass ihre Sicherheit von Bedeutung ist und dass sie ihre Bedenken äußern können, wenn sie sich unwohl fühlen. Wenn Sie ein Manager sind, sollten Sie diese Vorschläge für einen systematischen Ansatz zur Arbeitssicherheit berücksichtigen:

  • Stellen Sie Mitarbeiter ein, denen Sie vertrauen können, dass sie sich professionell und verantwortungsbewusst verhalten. Rücksichtslose Mitarbeiter können nicht nur ihre eigene Sicherheit, sondern auch die Sicherheit anderer gefährden. Sie sollten auch das Selbstbewusstsein haben, sich jederzeit zu melden, wenn sie einen Missstand oder eine Gefahrenquelle bemerken oder überhaupt etwas sehen, das nicht ganz richtig ist.
  • Wenden Sie sich an Ihre Sicherheitsbeauftragten, um die Gesundheits- und Sicherheitsprogramme im Büro regelmäßig zu bewerten. Arbeiten Sie mit Ihrem Team zusammen, um Wege zu finden, Ihre Sicherheitsinitiativen bei Bedarf zu überarbeiten oder zu aktualisieren.
  • Planen Sie regelmäßige Schulungen, um Ihre Mitarbeiter mit Regeln, Vorschriften und Notfallmaßnahmen vertraut zu machen. Achten Sie darauf, wann Sie Schulungen ansetzen: Während der hektischen Jahreszeit sind Schulungen eher ungünstig, weil die Teilnehmer wahrscheinlich abgelenkt sind und schnellstmöglich zurück zur Arbeit wollen.
  • Bleiben Sie auf dem Laufenden über die neuesten Schutzausrüstungen und aktualisieren Sie Ihr Inventar nach Bedarf, falls dies auf Ihr Unternehmen zutrifft. Ersetzen Sie defekte oder veraltete Sicherheitsausrüstung und veranlassen Sie, dass Ihre Mitarbeiter mit den neuen Geräten sicher umgehen können
  • Stellen Sie Schilder auf, die die Mitarbeiter über Gefahren in der Nähe informieren. Dies können nasse Böden, Hinweise zum Händewaschen oder sogar Erinnerungen an die Türkante sein, an der sich die größeren Mitarbeiter immer wieder den Kopf stoßen, wenn sie nicht aufpassen.
  • Belohnen Sie riskantes Verhalten nicht. Während in einigen Arbeitsbereichen eine „Whatever-it-takes“-Haltung gefördert werden könnte, sollte sie nicht belohnt werden, wenn sie auf Kosten der Sicherheit geht. Belohnen Sie stattdessen Mitarbeiter, die sicheres Verhalten an den Tag legen, wie z. B. die Aufmerksamkeit des Managements auf das hohe Stressniveau eines Mitarbeiters zu lenken oder zu berichten, wenn sie Sicherheitsrisiken erkennen.
  • Vergessen Sie nicht, auch die Reinigungskräfte Ihres Büros in Sachen Gesundheit und Sicherheit zu schulen. Diese Mitarbeiter sind häufig die erste Verteidigungslinie gegen Berufskrankheiten und Unfälle, also stellen Sie sicher, dass sie geschult sind und ihren Teil zu einem hohen Sicherheits- und Gesundheitslevel in Ihrem Unternehmen beitragen können.

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