Welche Vorteile Homeoffice hat und was man beachten muss

by Daniel Hannig - September 13, 2019

Was bisher geschah

Themen wie Homeoffice und flexible Arbeitszeitmodelle sind im Bereich HR nichts Neues. Eine Studie der IDG aus dem Jahr 2018 spiegelt die Relevanz dieser Thematik wider und zeigt ebenfalls, dass die Wünsche der Mitarbeiter sich immer mehr den Bereichen New Work und Future Workplace annähern. Welche Vorteile Homeoffice hat wird schon seit dem Entstehen des Konzepts vor ca. 20 Jahren diskutiert. Seitdem ist ein immenser technischer Fortschritt eingetreten, der unser persönliches und professionelles Leben verändert hat. Mit diesem Fortschritt sind auch die Ansprüche der Arbeitnehmer bezüglich einer besseren Work-Life-Balance und somit auch die Nachfrage nach der Option des Homeoffice angestiegen, so berichtet es die Deutsche Welle in diesem Artikel von 2017.

Aber was ist aus diesen Ansprüchen der Arbeitnehmer geworden? Was ist bisher geschehen?

Sie wollen mehr erfahren? Laden Sie unser Employee Engagement eBook herunter!
PDF Herunterladen

Was zur Zeit geschieht

Es sind vor allem die großen Unternehmen, die in dieser Hinsicht als Vorreiter fungieren. SAP hat beispielsweise letztes Jahr ein Recht auf teilweises Homeoffice für 22.000 ihrer Mitarbeiter eingeführt. Das Modell funktioniert auf der Basis von Chat Tools und Videotelefonie, einem gewissen Kontingent an Zeit, die von den Mitarbeitern im Office verbracht werden muss, und mit einem sehr hohen Maß an Vertrauen zwischen Managern und Arbeitnehmern. Siemens hat das Konzept ähnlich umgesetzt und erlaubt den Mitarbeitern 20% ihres jährlichen Arbeitspensums von zu Hause aus zu verrichten. Welche Vorteile Homeoffice mit sich trägt, hat auch Microsoft in Deutschland mit der Einführung des “Vertrauensarbeitsortes” angefangen zu erforschen. Seit 2014 dürfen die 2700 Microsoft Mitarbeiter in Deutschland aussuchen, von welchem Ort aus sie am liebsten arbeiten wollen. Es machen etwa 90% der Mitarbeiter davon mittlerweile Gebrauch.

Die vorgenannten Großkonzerne sind in Deutschland nicht die einzigen, die sich mit dem Thema Homeoffice auseinandersetzen. Auch der Gesetzgeber hat zuletzt einen Rechtsanspruch auf Homeoffice gewährt, diesen jedoch an eine Vielzahl von Vorschriften aus dem Daten- und Arbeitsschutz gekoppelt, deren Verstoß zu einem Bußgeld führen kann.
Doch allein die Tatsache, dass der Gesetzgeber sich mit diesem Thema befasst hat und zu dem Entschluss gekommen ist, dass ein solcher Anspruch (unter strengen Voraussetzungen) bestehen kann, sagt eine Sache aus: Homeoffice, Telearbeit, Vertrauensarbeitsort, egal wie man es nennen will und man dazu steht, es ist nun als valides Arbeitsmodell zu verstehen und ein Teil unseres Arbeitsalltags geworden.

Hinterfragen sollte man das Konzept trotzdem. Vor allem sollte man sich die Frage stellen, ob eine Homeoffice Struktur im eigenen Unternehmen Sinn ergibt oder nicht. Es ist nämlich eine Sache, das Konzept in einem Großkonzern mit über 1000 Mitarbeitern umzusetzen und eine andere, dasselbe in einem Kleinunternehmen durchzuführen.

Konzentrieren wir uns zunächst auf das Positive.

Welche Vorteile Homeoffice mit sich bringt

„Heute im Berufsverkehr war’s richtig angenehm“

– Niemand

Kein Arbeitsweg

Ein anstrengender Arbeitsweg kann einem morgens die Luft aus den Segeln nehmen. Dies betrifft insbesondere Leute, die zur Arbeit pendeln, jedoch auch alle anderen Mitarbeiter, da selbst ein relativ kurzer Weg zur Arbeit an den Nerven zehren kann, beispielsweise wenn die Bahn mal wieder proppenvoll ist, oder der Berufsverkehr schleppend. Die Arbeit von zu Hause eliminiert diesen potentiellen Stressfaktor und ermöglicht den direkten Beginn mit der Arbeit ohne vorherige Ablenkung.

Eine ruhige Arbeitsumgebung

Jeder, der mal in einem Großraumbüro gearbeitet hat, kennt den Mehrwert eines ruhigen Arbeitsplatzes. In Situationen, in denen man konzentriert arbeiten muss, ist ein lauter Arbeitsplatz eher unvorteilhaft. Selbst noise-cancelling Kopfhörer stellen in manchen Fällen keine Lösung mehr dar, beispielsweise wenn man konstant aktiv von Kollegen wegen eines Anliegens angesprochen wird. Der Heimarbeitsplatz ermöglicht einem in dieser Hinsicht konzentriertes Arbeiten in einer lärmfreien Umgebung.

Höhere Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Privatleben

Die Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten kommt vor allem den Menschen zugute, die sich beispielsweise um eine pflegebedürftige Person kümmern, oder ähnliche Gründe haben, warum sie oft daheim sein müssen. Generell lässt sich durch Homeoffice viel Privates leichter mit dem Berufsleben vereinbaren. So kann man mal in der Pause kurz Einkaufen gehen, die Kinder von der Schule abholen, oder zum Arzt gehen.

Verringerte Kosten

Ein weiterer Faktor der oft erwähnt wird, sind die verringerten Kosten durch eine Tätigkeit im Homeoffice. Beispielsweise fallen die täglichen Fahrtkosten weg, sei es die Autofahrt oder das Monatsticket. Auch das Essen in der Betriebskantine oder im Restaurant kann auf Dauer teuer sein und ist ein Kostenpunkt, den man zu Hause vermeidet.
Auch das Unternehmen spart oft an Kosten, da es keine Arbeitsplätze Vorort für die Mitarbeiter einrichten muss und viele Mitarbeiter von zu Hause aus auf ihren privaten Endgeräten arbeiten.

So weit so gut, dennoch bleibt das Thema umstritten und es gibt weiterhin viele Nachteile, die bedacht werden müssen.

Welche Nachteile durch Homeoffice entstehen

Fehlende soziale Kontakte

Fehlende Privatsphäre und zu laute Arbeitsplätze sind ein großes Problem für viele Mitarbeiter, die an das Büro gebunden sind. Aber das genaue Gegenteil, nämlich niemanden zum Reden zu haben und die damit eintretende Vereinsamung, werden oft als die größten Nachteile des Homeoffice-Konzepts genannt. Dabei geht es sowohl um die allgemeine Geselligkeit, die den meisten Mitarbeitern fehlt, als auch um den Zusammenhalt im Team und die Erschaffung und Aufrechterhaltung einer dynamischen Office-Kultur. Letzteres ist durch körperliche Anwesenheit einfacher zu erreichen und auch ein Grund, warum viele kleine Unternehmen kein Homeoffice anbieten. Abgesehen davon, kann man am Arbeitsplatz selbst besseren Kontakt zu den Kollegen knüpfen, sein Netzwerk besser ausbauen und womöglich sogar Freundschaften schließen.

Eine zu hohe Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

Die hohe Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf ist an sich eine positive Sache, aber in manchen Situation kann sie auch zu Nachteilen führen. Zum einen ist hervorzuheben, dass vielen Homeoffice-Mitarbeitern die Trennung zwischen Privatem und Beruf nicht gut gelingt, was zwei unterschiedliche Nachteile mit sich ziehen kann. Zum einen leidet die Qualität der Arbeit darunter, denn wer ständig parallel zur Arbeit private Angelegenheiten regelt, wie beispielsweise oben genannte Arztbesuche etc., arbeitet nicht so konzentriert wie jemand, der körperlich und mental komplett auf seine Tätigkeiten fixiert ist. Der zweite Nachteil ist, dass auch die Freizeit darunter leidet. Viele, unter anderem von der DIW durchgeführte Studien ergeben, dass Mitarbeiter im Homeoffice mehr Überstunden anhäufen als ihre Kollegen im Büro. Das liegt oft daran, dass diese Mitarbeiter mental keine saubere Bruchstelle für sich vereinbart haben, bei der sie aufhören zu arbeiten. Diese Bruchstelle ist bei vielen Menschen beispielsweise das körperliche Verlassen des Büros.

Einhaltung rechtlicher Vorschriften

Die Arbeit im Homeoffice befreit den Mitarbeiter und Arbeitgeber natürlich nicht von ihren gegenseitigen rechtlichen Pflichten. Heimarbeit erfordert dahingehend oft sogar erhöhten Aufwand. Der Arbeitgeber muss beispielsweise ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind und hat deshalb auch bei Homeoffice-Tätigkeiten eine Gefährdungsbeurteilung vorzunehmen. Dies kann durch eine detaillierte Befragung des Mitarbeiters geschehen, wobei eine Inaugenscheinnahme des Heimarbeitsplatzes effektiver ist. Zusätzlich haben beide Parteien für geeignete Vorkehrungen im Bereich Datenschutz zu sorgen. Für den Arbeitgeber bedeutet das in der Regel die Bereitstellung einer VPN-Verbindung sowie die Freigabe weiterer notwendiger Software für den Arbeitnehmer. Dieser muss wiederum dafür Sorge tragen, dass niemand außer ihm Zugang zum Arbeits-PC und zum Handy hat und keine Passwörter fahrlässig aufbewahrt werden. Unvorteilhaft für den Arbeitnehmer ist die verschärfte Haftung bei Arbeitsunfällen. So besteht der gesetzliche Unfallschutz nicht, wenn die Arbeit für private Angelegenheiten unterbrochen wird, beispielsweise bei einem Gang zur Toilette oder auf dem Weg in die Küche. Detaillierte Information dazu finden Sie in Claudia Knuths Artikel, “Arbeiten an der langen Leine”, personal magazin (Ausgabe 03/2019).

Die Gegenüberstellung von positiven und negativen Aspekten zeigt, warum das Thema so umstritten ist. Vor diesem Hintergrund stellt sich nun die Frage, wie die Zukunft des Homeoffice in Deutschland aussehen könnte.

Fortsetzung folgt?

Laut der DIW Studie liegt Deutschland beim Anteil der Personen mit Homeoffice unter dem EU-Durchschnitt und deutlich hinter anderen Ländern wie Frankreich, dem Vereinigten Königreich oder den skandinavischen Ländern zurück. Nur zwölf Prozent aller abhängig Beschäftigten hierzulande arbeiten überwiegend oder gelegentlich von zu Hause aus, obwohl dies bei 40 Prozent der Arbeitsplätze theoretisch möglich wäre. In den meisten Fällen scheitert der Wunsch nach Heimarbeit an den Arbeitgebern. Der Wunsch nach mehr Heimarbeit und der zuletzt ins Spiel gebrachte Rechtsanspruch des Gesetzgebers wird mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass mehr Leute zukünftig im Homeoffice arbeiten werden. Ob das als rein positiver Ausblick zu werten ist, ist schwierig zu sagen. Im Zeitalter der New Work Bewegung ist es einfach, die alten Strukturen schlechtzureden und alle modernen Initiativen als positiv und dynamisch darzustellen.
Aber genau wie das Open Space Büro für manche Leute wegen mangelnder Ruhe und fehlender Privatsphäre ein sehr unangenehmes Arbeitsumfeld ist, so ist auch das Homeoffice Konzept nicht für jedes Unternehmen unbedingt fördernd.
Vor allem kleinere Unternehmen, die sich durch eine dynamische Kultur und Mitarbeiterzusammenhalt auszeichnen, müssen sich ganz genau überlegen, ob sie Homeoffice anbieten sollten und damit riskieren, dass eine der vorgenannten Aspekte negativ beeinträchtigt wird.

Das Thema Homeoffice bleibt weiterhin umstritten und am Ende des Tages muss jedes Unternehmen selber feststellen, wie sie damit umgehen wollen. Tatsache ist jedoch, dass das Thema immer mehr an Relevanz gewinnt und wir damit rechnen können, dass sich in den nächsten Jahren in der Hinsicht viel tun wird.

Sie wollen mehr erfahren? Laden Sie unser Employee Engagement eBook herunter!
PDF Herunterladen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

fünf × 1 =

DAS KÖNNTE IHNEN AUCH GEFALLEN

Grenzenloses Arbeiten: Der Laissez-Faire Führungsstil

Einführung Im Rahmen unserer aktuellen Themenreihe gehen wir diese Woche näher auf den laissez-faire Führungsstil ein. “Laissez-faire” bedeutet wörtlich übersetzt „lassen Sie machen“, was als Beschreibung gut auf das Führungsmodell zutrifft. Als Führungsstil gewährt die Variante des laissez-faire den Mitarbeitern die meiste Freiheit, mit einem Höchstmaß an Spielraum für eigene […]

Weiterlesen

Wie diese drei Führungsstile Ihre Unternehmenskultur formen

Mit welchem Führungsstil Manager Unternehmen leiten, beeinflusst nahezu jeden Aspekt einer Firma. Welche verschiedene Arten von Führungsstilen es gibt, was genau diese jeweils ausmacht, und welche Implikationen sie jeweils auf die Unternehmenskultur haben, erfahren Sie hier. Wieso sind Führungsstile so wichtig? Denken Sie an die Vorgesetzten, die Sie in der […]

Weiterlesen