Digitales Werkzeug und das Team

by Daniel Hannig - August 20, 2019

„Die meisten Menschen glauben, dass die Globalisierung unsere Zukunft bestimmen wird. Aber die Wahrheit ist, dass Technologie in dieser Hinsicht viel wichtiger ist.“
Peter Thiel

Seit der Mitte des 20ten Jahrhunderts entwickelt sich die Welt in einem rasanten Tempo fort. Insbesondere Faktoren wie das Abschließen verschiedener Freihandelsabkommen oder die Erfindung des Internets haben die Globalisierung maßgeblich vorangetrieben. Auf der anderen Seite hat die Globalisierung aber ebenso für eine noch ungerechtere Verteilung des Wohlstandes gesorgt, einen Anstieg an Kinderarbeit verursacht und maßgeblich zum Klimawandel beigetragen.
Man kann von der Globalisierung halten was man will, Tatsache ist, dass zumindest die Technologie im Rahmen der Globalisierung einen Riesensprung nach vorne gemacht hat.

Oder hat sie das?

Peter Thiel schreibt in seinem Buch “Zero to One”, dass der Fortschritt der Technologie sich hauptsächlich auf den IT Bereich beschränkt, während alles andere um uns herum relativ gleich geblieben ist. Tatsächlich habe ich diese Passage des Buches auf meinem Smartphone gelesen, einem Gerät mit dem ich auch in der Lage gewesen wäre, meine im Ausland lebenden Eltern via Videotelefonie umsonst und in Echtzeit anzurufen, während ich im selben Bus saß, mit dem ich schon damals vor 20 Jahren in die Schule gefahren bin. Ich finde trotzdem die Aussage, der technologische Fortschritt sei auf die IT Branche “beschränkt”, nicht ganz richtig. Immerhin ist es genau diese IT Branche, die digitales Werkzeug erschaffen hat, das Thema des heutigen Artikels. Dieselbe IT Branche hat auch den Mars Rover auf einen anderen Planeten gelandet, oder Menschen wie Greta Thunberg ermöglicht eine Bewegung wie “Fridays for Future” auf globaler Ebene umzusetzen. Anders formuliert; ich finde, der technologische Fortschritt ist nicht auf die IT Branche beschränkt, es ist vielmehr die IT Branche, die den technologischen Fortschritt antreibt.

sign with writing

Die heutige Technologie ist in vielerlei Hinsicht nicht mehr aus unserem persönlichen Leben wegzudenken und wir profitieren täglich von diesem Fortschritt. Unternehmen sind, wie Privatpersonen, sehr oft darauf angewiesen. Dabei ist Technologie im Privatleben zwar ganz praktisch, aber nicht wirklich zwingend notwendig. Technologie im Unternehmen, und damit verbundenes digitales Werkzeug, hingegen schon eher, und zwar aus folgendem Grund:

In den letzten zwei Jahrzehnten haben wir eine stetige Verlagerung von dem Modell der „Kompetitiven Bewertung“ zum Modell „Coaching und Entwicklung“ feststellen können. So erklärt es Josh Bersin in diesem Artikel.

Das erste Modell beinhaltet die Bewertung der Mitarbeiter anhand ihrer Leistungen, die Zuordnung dieser in eine Rangliste und das regelmäßige Entlassen und Ersetzen derer, die ganz unten auf dieser Rangliste stehen. Kompetitive Bewertung passt gut zu einem industriellen Arbeitsmodell, in dem das Management eine wichtige Rolle einnimmt und die reine Arbeitskraft, gleich dem Rad in einem Gesamtgefüge, einfach auszutauschen ist.

Das zweite Modell distanziert sich von der Idee des “survival of the fittest”, propagiert die Unterstützung aller Mitarbeiter bei der verbesserten Ausführung ihres Berufes und das Anstreben einer Wachstumsmentalität des Unternehmens. In einer Welt, wo mehr als 85% der Marktkapitalisierung sich aus geistigen Eigentum, Marken, Dienstleistungen und Software zusammensetzt, scheint das zweite Modell effektiver, da den Mitarbeitern dort mehr Relevanz zukommt. Bersin geht sogar einen Schritt weiter und schreibt, dass die Manager heutzutage hauptsächlich dazu da sind, um ihre Mitarbeiter zu unterstützen und nicht andersherum.

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Wir halten fest: Unternehmen legen heutzutage mehr Wert darauf, die Leistung innerhalb ihres Teams zu verbessern. Zudem wollen Firmen ihre Ziele agiler gestalten, mehr Feedback verteilen, aber auch Feedback erhalten, und dieses zielführend nutzen. Diese Entwicklung erfordert eine alternative Arbeitsweise und korrespondierende Technologie im Unternehmen, die das ermöglicht.

Digitales Werkzeug ermöglicht es Managern heutzutage, Einblick in die Entwicklung und Herausforderungen ihrer Mitarbeiter zu erlangen. Mitarbeiter-Feedback-Tools schaffen beispielsweise Möglichkeiten, um positive Entwicklungen wahrzunehmen und zu fördern, und gegebene Herausforderungen zu überwinden. Manager sorgen dadurch für Flexibilität innerhalb des Unternehmens, können sich in Echtzeit an neue Branchentrends anpassen und fallen so nicht hinter ihre Konkurrenten.

Es stellt sich nur die Frage, wie und in welchem Umfang digitales Werkzeug und moderne Technologie im Unternehmen heutzutage genutzt wird.
Eine Umfrage von Steelcase Studies aus dem Jahre 2016 ergab, dass trotz der weltweit großen Verbreitung mobiler Geräte im privaten Bereich, die überwiegende Mehrheit der Studienteilnehmer berichtet, dass ihre Arbeitgeber im Büro doppelt so viele fest installierte wie mobile Geräte einsetzen. In Deutschland sind 80 Prozent der Arbeitsplätze immer noch mit Desktop-PCs, und 94 Prozent mit Festnetztelefonen ausgestattet.

Aber stellt das überhaupt ein Problem dar? Steelcase argumentiert, dass diese Zahlen vielleicht auf die Art der geleisteten Arbeit zurückzuführen sei, aber auch die Herausforderung der Arbeitgeber Schritt mit den sich ständig wandelnden Technologien zu halten, widerspiegeln könne. Unabhängig davon sei die Mobilität der Mitarbeiter innerhalb und außerhalb des Büros von fest installierten Techniklösungen beeinflusst, was sie daran hindern würde, das gesamte Potenzial vielfältiger Räume auszuschöpfen. Die Medien und die Alltagskultur haben in der Öffentlichkeit das Bild geprägt, dass sich der Arbeitsplatz in den letzten zehn Jahren dramatisch verändert hat, und dass Arbeitsumgebungen offen, informell und teamorientiert sind. Dies mag zwar bereits auf einige Büros zutreffen, aber in Wirklichkeit arbeiten die meisten Menschen weltweit noch in einem traditionellen Büroumfeld, in dem Hierarchien und Einzelarbeit am Schreibtisch üblich sind.

woman with mobile phone

Der Bestand der “traditionellen” Arbeitsweise bedeutet jedoch nicht, dass digitales Werkzeug innerhalb des Büros keine Anwendung finden sollte um den Arbeitsalltag einfacher zu gestalten. Um nochmal auf meine Busmetapher zurückzugreifen: Nur weil man heutzutage immer noch vielleicht im gleichen Bus zur Arbeit fährt, der einen auch früher in die Schule gefahren hat, heißt das nicht, dass die Busfahrt ähnlich verlaufen muss. Während man früher vielleicht in einem Comic gelesen oder einfach nur aus dem Fenster geschaut hat, kann man heutzutage seine Emails checken, in seiner Kindle Bibliothek stöbern, Netflix schauen, einen Urlaub buchen, sein Social Media updaten etc.

In anderen Worten: Man kann seine Zeit effizienter nutzen.

Selbstverständlich kann man heute auch weiterhin einfach nur aus dem Fenster schauen und die Fahrt genießen, aber man hat zumindest stets die Option der alternativen Zeitverwendung.

Ähnlich verhält es sich auch am Arbeitsplatz. Stellen wir uns einfach vor, der Bus sei der Arbeitsplatz und das Smartphone stelle die modernen Tools und Office Anwendungen dar. Nur weil am Arbeitsplatz dasselbe Muster befolgt wird wie vor 20 Jahren, mit festen Sitzplatz, Desktop und Festnetztelefon, heißt das nicht, dass durch die Verwendung moderner Tools der Arbeitsalltag nicht erheblich effizienter gestaltet werden kann.

Wir bei Honestly haben ebenfalls feste Arbeitsplätze, nutzen teilweise auch Desktop-PCs, Festnetztelefone und sind räumlich in unsere jeweiligen Teams aufgeteilt. Es ist einfach praktischer so. Wir benutzen aber auch gleichzeitig viele organisatorische Tools, die die Teamübergreifende Zusammenarbeit erheblich erleichtern.
Digitales Werkzeug wie Slack, Asana oder Personio, erleichtern die interne Bürokommunikation, Administration, verringern den Email Verkehr und sind ebenfalls als Werkzeug verwendbar, mit dem man internen Fortschritt messen kann. In anderen Worten, sie vereinfachen Prozesse, sparen Zeit und verbessern Kommunikation.

„Gutes Werkzeug, halbe Arbeit“
Zitat aus Ungarn

Welche Tools am Besten für das eigene Unternehmen geeignet sind, ist aufgrund der Vielzahl der Möglichkeiten manchmal schwer zu bestimmen und erfordert einiges an Planung. Ein Artikel von Human Resources Manager schlägt in diesem Fall Folgendes vor: Das Geheimnis bei der Auswahl und Einführung modernster Technologien erfordert eine starke Partnerschaft von HR, Kommunikation und IT. Sie kann zu technischen Lösungen führen, die passgenau ihren Zweck erfüllen, den Arbeitsalltag erleichtern und somit auch erfolgreich implementiert werden können.

Zudem sollte man als Arbeitgeber stets in Betracht ziehen, das Technologie im Unternehmen auch ein zielführender Faktor sind, um Mitarbeiterengagement zu erhöhen. Ein charakteristisches Merkmal engagierter Mitarbeiter ist, dass sie in hohem Maße selber entscheiden können, wo und wie sie arbeiten und dass sie stets nach Verbesserung streben, sei es in der Methodik oder dem notwendigen Werkzeug für die Ausführung ihres Berufes. Wird dieser Fortschritt nicht gewährleistet oder stellt sich das Management bezüglich solcher Vorschläge quer, so schränkt dass die Mitarbeiter, und somit auch das Engagement, erheblich ein. Mehr Infos zum Zusammenhang zwischen Arbeitsplatzgestaltung und Mitarbeitermotivation finden Sie bei uns im Blog.

Laptop with graphs

Zusammenfassend kann man also Folgendes festhalten: Ähnlich wie die aus dem Busfenster blickende Person kann auch ein Unternehmen heutzutage die vorhandenen technologischen Fortschritte unbeachtet lassen. Dies ist jedoch nicht zu empfehlen. Denn wer Technologie im Unternehmen nicht fördert und es unterlässt, sich stets über neue Methoden der Arbeitsausführung zu informieren, blockiert vor allem auch die Implementierung potenzieller, womöglich effektiverer Arbeitsmethoden. Eine Weiterführung umständlicher Arbeitsweisen, die permanent unnötige Workarounds erfordern, schlägt auch auf die Motivation der Mitarbeiter und schränkt potentielles Engagement erheblich ein.

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