Gig-Economy – Fluch oder Segen?

by Daniel Hannig

Wir leben in einer Gig-Economy. Diese Ansicht hat sich inzwischen durchgesetzt. Manche sehen im Gig die verheißungsvolle digitale Zukunft des Freiberufs, andere das Ende des Angestelltenverhältnisses und den Inbegriff fortschreitender Prekarisierung.

Als Gig bezeichnet man einen Einzelauftrag oder Kurzzeit-Job, der über eine digitale Plattform vermittelt wurde und für den oftmals keine spezifischen Anforderungen gelten. Lebensmittellieferungen, Schreibaufträge, Reinigungsdienste und so weiter. Manchmal handelt es sich lediglich um die Teilnahme an 5-minütigen Befragungen, den schnellen Test einer mobilen Website oder die Übersetzung sehr kurzer Texte, weswegen man auch von Micro-Jobs spricht. Die Grenze zum Paid Crowdsourcing verläuft daher fließend.

  • Etwa werden kleinere Designaufträge häufig über Fiverr vergeben. Als schnell wachsendes Start Up greifen wir von Honestly gelegentlich auf diese Möglichkeit zurück.
  • Besonders prominent: Fahren für Uber. Der amerikanische Anbieter vermittelt Autofahrten und gilt als Trendsetter der Gig-Welle. 
  • Auch die Vermietung des eigenen überschüssigen Wohnraums – wahrlich ein seltenes Gut – mithilfe von Airbnb kann als Gig gezählt werden.

Inzwischen spricht man von einer regelrechten Gig-Economy. Aus Einzelfällen ist ein Grundsatz geworden. Dementsprechend werden mehr und mehr Befürchtungen geäußert, vor allem in Deutschland. Denn Gig-basierte Arbeitskräfte sind grundsätzlich Freiberufler, sie haben kein festes Einkommen. Außerdem keine Altervorsorge oder Krankenversicherung. Droht unser Land zu verarmen, weil die klassischen Angestellten wegbrechen?

Aber unterscheidet sich die neue Form der Arbeit wirklich so sehr von der traditioneller Freelancer? Wie sehr profitieren die freien Berufe von den Möglichkeiten der digitalen Auftragsvermittlung? Verspricht die Gig-Economy nicht auch große Freiheit und Flexibilität?

Schließlich steht der Gegensatz von Freiheit und Bindung im Raum. Greifen unsere etablierten Konzepte von Employee Engagement und Unternehmenskultur noch in einer Zukunft aus Microjobs? Und wie integriert man Gigs in die normalen Arbeitsprozesse eines Unternehmens, was muss man dabei beachten? Besonders diese Aspekte beschäftigten Personalverantwortliche angesichts des wachsenden Marktes für Gig-Jobs.

Wie die Gig-Economy bereits in Deutschland wirkt

Wie sieht eigentlich der Einfluss der Gig-Economy auf deutsche Unternehmen aus? Denken wir uns zum Beispiel einen Gelegenheits-Designer Namens Vladislav, der für verschiedene Software-Start Ups aus Deutschland immer wieder Einzelaufträge über Fiverr bearbeitet – Grafiken für Websites, Ebooks für deren Content Marketing und so weiter. Er lebt in Serbien und ist 25 Jahre alt. An seinem Beispiel zeigen sich Vor- und Nachteile von Microjobs:

In der Vergangenheit hat Vladislav für kleine Printmedien aus seiner Heimat gearbeitet und mal “irgendwas mit Computern” gemacht. An seiner Arbeit als Microjobber stört ihn, dass er kein Team hinter sich hat. Ihm fehle “das Soziale Moment”.  Die freie Einteilung seiner Zeit sage ihm zwar zu, doch würde ihm eine feste Anstellung unterm Strich eine bessere Work-Life-Balance verschaffen – so seine eigene Einschätzung.
Die wirtschaftlichen Verhältnisse in seinem Heimatland sind aber so schwierig, dass er ohne die kleinen Aufträge aus Deutschland kaum leben kann. Die Unternehmen, die mit Vladislav arbeiten, sparen gegenüber größeren Anbietern oder gar einem hauseigenen Designer viel Geld und können dank der Vermittlung über Fiverr flexibel und mit geringem Zeitaufwand Jobs vergeben. Sie profitieren in jedem Fall.

Rechtliche Hürden müssen überwunden werden

Darum gibt es inzwischen auch professionelle und erfahrene Anbieter für die Vergabe von Gigs speziell im deutschsprachigen Raum. So vermittelt das 2014 gegründete Unternehmen InStaff temporäres Personal in Österreich und Deutschland, vor allem für Events. Inzwischen werden monatlich über 1.300 Jobs abgewickelt. Auf der Online-Plattform gibt es mehr als 36.000 Personalprofile, auf welche die zahlreichen Kunden von InStaff zurückgreifen können. Unter ihnen große Unternehmen wie C&A, Media Markt oder die Deutsche Bank. 

Wir haben die Online Plattform von InStaff überprüft und auch die Kundenbewertungen angeschaut. InStaff gewährleistet eine hohe Personalqualität und niedrige Preise, indem die komplette Abrechnung der Arbeitnehmer vollautomatisiert über die Online Plattform erfolgt. Pascal Klein, Gründer der InStaff & Jobs GmbH, betont vor allem zwei Aspekte, die im Kontext der Gig-Economy wichtig sind:

Erstens ein gutes Bewertungssystem, um hohe Qualitätsstandards zu gewährleisten. „Bei Gigs fällt eine Probephase oder ähnliches weg. Ihre persönlichen Referenzen erhalten die Jobber über das InStaff-Bewertungssystem, durch das jeder Kunde einen klaren Einblick gewinnt und sichergehen kann, dass die gebuchten Personen wirklich gute Arbeit leisten.“ Gerade für Neukunden dient das der Orientierung ungemein.

Zweitens die rechtlich korrekte Abwicklung. „Um Verwirrungen und Probleme mit der Unterscheidung von selbstständigen Tätigkeiten und abhängigen Beschäftigungen zu vermeiden, werden die gebuchten Personen grundsätzlich von InStaff für den Zeitraum des Jobs kurzfristig beschäftigt, inklusive der gesamten Lohnbuchhaltung.“ So werden klare Rechtsverhältnisse geschaffen.

Dieses Beispiel führt vor Augen, dass es für Arbeitgeber beachtliche Hürden beim Einsatz von Microjobbern geben kann, ganz ähnlich wie bei der Integration von Flüchtlingen. Bei InStaff setzt man auf einen full service approach und die richtige Technologie, um diese Hürden zu überwinden. Wer Gigs vergeben will, muss sich nicht mehr um bürokratische Angelegenheiten kümmern.

Werden aus Personalmanagern zukünftig reine Gig-Jongleure?

Welche Konsequenzen für die HR-Branche sind also von der Gig-Economy zu erwarten? Sehr wahrscheinlich werden Gigs ihren festen Anteil an bestimmten Projekten haben. Die Arbeit der eigenen Teams wird durch hinzugezogene Freelancer ergänzt – doch ist das wirklich neu? Gerade in den sogenannten kreativen Berufen waren Selbstständigkeit und Auftragsarbeit doch schon seit jeher der Standard. In dieser Hinsicht scheint die Angst vor der Verarmung ganzer Gesellschaftsschichten ziemlich übertrieben. 

Die Möglichkeit, Plattformen wie Fiverr zu nutzen, bietet uns außerdem die Chance, auf zusätzliche Ressourcen und kreative Potenziale zurückzugreifen. Bei InStaff gibt es die Möglichkeit, potentielle Arbeitnehmer über die Profile im Personalpool kennenzulernen, kurzzeitig einzusetzen und anschließend zu übernehmen. Das ist ein guter Weg, um wertvolle Teilzeitkräfte,Praktikanten oder Werkstudenten für das eigene Unternehmen zu gewinnen.

Das ist das wirklich Neue an der Gig-Economy: Die Praktischen Plattformen, die uns Verwaltungsarbeit abnehmen. Indem sie uns bei der Organisation und Abwicklung der Microjobs unterstützen, können wir uns weiterhin auf wesentlichere Fragen der internen Kommunikation konzentrieren – was treibt unsere Mitarbeiter an und um? Wie können wir ihnen besser zuhören? 

Das Angestelltenverhältnis wird definitiv nicht wegfallen. Weder lassen sich komplexe Aufgaben vollständig outsourcen und in Microjobs aufteilen, noch übersteigt der Wunsch nach Freiheit das Bedürfnis gerade auch junger Menschen, zu einer größeren Einheit zu gehören. Erinnern wir uns noch einmal an Vladislav. Er genießt bestimmte Freiheiten, aber sehnt sich nach direkterer Vernetzung und dem sozialen Miteinander, dass nur eine feste Arbeitsstelle bieten kann. Daher werden Aufgaben wie eine klar definierte Leitkultur, gutes Betriebsklima und hohe Mitarbeiterzufriedenheit auch zukünftig im Zentrum unserer Bemühungen stehen.

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